Wie sahen die ersten Schlangen aus? Neue evolutionäre Analysen liefern überraschende Hinweise

Schlangenfossil

Die Menschen waren lange von Schlangen fasziniert. Sie spielen eine wichtige Rolle in unseren Schöpfungsmythen, hypnotisieren uns mit ihrer kurvenreichen Fortbewegung und erobern unsere Alpträume. Tatsächlich ist jedoch nur sehr wenig über die Schlangenentwicklung bekannt.

Der Grund? Schlangen sind mit wenigen Ausnahmen meist klein und ihre zerbrechlichen Skelette hinterlassen nicht viele Fossilien. Daher bleiben große Lücken in unserem Verständnis des Evolutionsbaums der Schlange, und mit so wenigen harten Beweisen können Theoretiker nur spekulieren.

Eine neue Analyse, die kürzlich von Paläontologen der Yale University veröffentlicht wurde, verspricht jedoch, ein wenig Licht in diese Geheimnisse der Schlangen zu bringen und einige der vorherrschenden Theorien in Frage zu stellen, berichtet Phys.org.

"Wir haben die erste umfassende Rekonstruktion der Ahnenschlange erstellt," erklärte Allison Hsiang, Hauptautorin der Studie.

Durch die Analyse des Schlangengenoms, der modernen Schlangenanatomie und neuer Informationen aus dem Fossilienbestand gelangten die Forscher zu dem Schluss, dass der jüngste gemeinsame Vorfahr aller modernen Schlangen wahrscheinlich winzige Hinterbeine behielt, nachtaktiv war und nadelförmige Hakenzähne aufwies. Am überraschendsten ist, dass dieser Protosnake wahrscheinlich an Land lebte, im Wald. Dieser Befund widerspricht der am weitesten verbreiteten Theorie der Schlangenentwicklung, wonach Schlangen ihr langes, schlangenförmiges Körperdesign als Anpassung an eine Meeresumwelt entwickelten.

"Unsere Analysen deuten darauf hin, dass der letzte gemeinsame Vorfahr aller lebenden Schlangen bereits seine Vorderbeine verloren hätte, aber immer noch winzige Hinterbeine mit kompletten Knöcheln und Zehen gehabt hätte. Es hätte sich zuerst an Land und nicht im Meer entwickelt," sagte Co-Autor Daniel Field. "Beide Erkenntnisse lösen langjährige Debatten über die Herkunft von Schlangen."

Eine weitere Überraschung ist, dass der Verdacht besteht, dass das Protosnake nicht einschränkend ist. Pythons und Boas – im Allgemeinen als primitiver unter modernen Schlangen betrachtet – jagen und töten ihre Beute durch Verengung. Aber diese Jagdstrategie könnte eine spätere Entwicklung gewesen sein. Es ist auch unwahrscheinlich, dass der Protosnake in der Lage war, etwas viel Größeres als seinen eigenen Kopf zu fressen, wie es viele moderne Schlangen können.

Natürlich ist es unmöglich, genau zu wissen, wie der gemeinsame Vorfahr aller Schlangen ohne ein Fossil der Kreatur aussah, aber durch fundierte, begründete Vorstellungskraft können wir die Bandbreite der Möglichkeiten einschränken. Zumindest wird diese neue Analyse es Evolutionsbiologen ermöglichen, ihre Theorien zu verfeinern und die Tür für präzisere Spekulationen zu öffnen.

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